Hans Koren Gedenkjahr 2006


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Imaginäre Akademie Steiermark

Hanns Koren hat 1968 die Steirische Akademie kreiert, in der aktuelle gesellschafts- und kulturpolitische Themen von internationalen wie auch in der Steiermark tätigen Experten und/oder Intellektuellen diskutiert wurden. Kurt Jungwirth hat sie zusammen mit Dieter Cwienk in diesem Sinn weitergestaltet, und das war auch für viele damalige Studenten ein ganz wichtiges Forum. Zur gleichen Zeit, als Hanns Koren die steirische Kulturpolitik prägte, hiess der französische Kulturminister André Malraux, der ein weltbekannter Autor war. Es gibt einige wunderbare Parallelen zwischen den beiden. Ich habe in meinem Beitrag für die französische Ausgabe der „manuskripte" André Malraux zitiert, der am 13.März 1966 anlässlich der Eröffnung des Kulturhauses von Amiens seine Rede mit der Bemerkung schloss: « Und, wenn Sie wollen, sage ich Ihnen, dass Sie eines der schönsten Abenteuer eingehen, das je in Frankreich in Angriff genommen wurde : in zehn Jahren wird dieses hässliche Wort 'Provinz‘ in diesem Land zu existieren aufgehört haben. »

Eines seiner grossen kunsthistorischen Werke heisst « Le musée imaginaire », « Das imaginäre Museum », in dem er die seiner Meinung nach grössten Kunstwerke aus allen Weltkulturen, die in einem realen Museum natürlich nie gezeigt werden können, vereint und die Wechselbeziehungen zwischen den Kulturen dargestellt hat. So sind also Hanns Koren und André Malraux die Schutzheiligen unserer « Imaginären Akademie ».

Imaginär wird im Deutschen gerne mit « illusionär » gleichgesetzt. Im Lateinischen wie auch im Französischen und in den anderen Weltsprachen meint « imaginär », Imagination aber « produktive, kreative  Vorstellungskraft ».

OFF PROVINZ

Die « Imaginäre Akademie » hat zwei miteinander vernetzte Hauptthemen : Einerseits geht es dabei um die Steiermark regional, überregional und international, über das Verhältnis Zentrum - Peripherie und um das Thema « Provinz ». Andererseits wird unter « OFF » das aktuelle Kulturgeschehen der Steiermark mit seinen Protagonisten dargestellt, ob die nun in Graz leben, in Wies oder New York. Auch diejenigen, die leider schon verstorben sind wie Wolfgang Bauer, Gunter Falk, Jörg Schlick oder Harry Pepl, die mit ihrer künstlerischen Arbeit die aktuelle Kunst geprägt haben und noch immer prägen. Das geschieht in Form von Künstlerporträts oder Gesprächen zwischen Künstlern.







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Eine Hochschule der bildenden Künste für Graz
 

In einem Manifest halten der Präsident der Akademie Graz, Emil Breisach, und Stadtmuseumsdirektor Otto Hochreiter fest, dass seit vielen Jahren in der heimischen Kunstszene darüber geklagt werde, dass Graz als zweitgrößte Stadt Österreichs und Kulturhauptstadt der EU über keine Hochschule der bildenden Künste verfügt. Zwar besteht an der HTL Ortwein ein bereits etliche Jahre währender Schulversuch als Meisterschule in Malerei, Bildhauerei, Metallgestaltung und keramischer Formgebung; bisher jedoch, weil Schulversuch, sind die zweijährigen Lehrgänge einer weiterführenden akademischen Ausbildung nicht anrechenbar. Ein akademisches Studium der bildenden Kunst kann in Österreich an Universitäten in Wien, Linz und Salzburg absolviert werden. Weil junge Künstlerinnen nach ihrer Ausbildung vorzugsweise in Wien verbleiben, schließen Breisach und Hochreiter aus dieser Situation, dass „die heimische Kunstszene unter ständiger Verarmung" leidet. In besagtem Manifest ersuchen die Proponenten nun die Kulturpolitik des Landes und der Stadt Graz, „gemeinsam aktiv zu werden und so bald wie möglich die akademische Ausbildung der heimischen Künstler in Graz zu gewährleisten."

In einer Pressekonferenz legten Emil Breisach und Otto Hochreiter, unterstützt von Kulturlandesrat LHStv. Dr. Kurt Flecker, ihre Vorstellungen von einer Grazer Universität für bildende Künste dar.

Der Abwanderung entgegenwirken Während zwar eine deutliche Präsenz junger Literaten und Musiker in Graz zu verzeichnen sei, wanderten junge bildende KünstlerInnen „reihenweise", so Breisach, nach Wien, Linz oder Salzburg ab. Die Einrichtung einer Hochschule bzw. Universität der bildenden Künste, vorzugsweise in Angliederung an die Universität für Musik und darstellende Kunst, sollte dem entgegenwirken. Mehr noch, eine Universität für bildende Kunst könnte Auslöser zur Entwicklung einer Künstlerszene sein, die über Österreich hinaus Beachtung finden kann.

Angesichts einer Liste von Unterstützungserklärungen ist Kulturlandesrat Kurt Flecker „durchaus optimistisch, mittelfristig zu einem Ziel zu kommen", wenngleich man sich keinen Illusionen hingeben dürfe, „von heute auf morgen reüssieren zu können." In der Sitzung der Landesregierung am 19. Juni, erklärt Flecker, wurde sein Antrag, die Meisterschulen an der HTL Ortwein in das Regelschulwesen zu überführen, einstimmig beschlossen. In einem nächsten Schritt folgt das dringende Ersuchen an die Bundesregierung, diesem Beschluss stattzugeben und den Lehrplan sowie die Wochenstundentafel dieser künstlerischen und kunst-gewerblichen Ausbildungsgänge auf ein EU-weit konkurrenzfähiges Niveau anzuheben. Zugleich wurde in dieser Sitzung beschlossen, seitens der Landesregierung die Bemühungen von Graz zu unterstützen, eine Universität für bildende Kunst in Erweiterung der bestehenden Kunstuniversität einzurichten. Ein Konzept für dieses Unterfangen, unter Einbeziehung bestehender Institute und Ressourcen, wird bis zum nächsten Frühjahr im Büro des Kulturlandesrates ausgearbeitet, um sie der Bundesregierung vorzulegen. Betreffend die Ortweinschule erwartet Flecker eine verbindliche Antwort bis spätestens Jahresbeginn 2008.

Kompatible Hochschulsysteme Wichtig für die Konzeption einer Hochschule der bildenden Künste, erklärt Otto Hochreiter, sei es, ein „Alleinstellungsmerkmal" für den Standort Graz im europäischen Umfeld der Hochschulen für bildende Kunst zu entwickeln. Derzeit sei ein „dramatische Entwicklung im Hochschulbereich" unter dem Stichwort Bologna-Prozess im Gange mit dem Ziel, europaweit gegenseitige Anrechnungskriterien von Studien und Teilstudien zu definieren. Vorgesehen sind Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Ausbildung und „Erhöhung der Mobilität der Studierenden". So könnten Studierende in Zukunft, gibt Hochreiter ein Beispiel, jeweils zwei Semester in Graz und etwa in Köln, Paris und Wien absolvieren. Voraussetzung dafür ist ein kompatibles Schul- wie Hochschulsystem. In einem zu erarbeitenden Hochschulkonzept seien die Nutzung der Ressourcen der geisteswissenschaftlichen Fakultät, der Kunstuniversität und auch der Ortweinschule anzustreben, um in dieser Verbindung eine „genuine" Studienmöglichkeit für bildende Kunst in Graz zu schaffen, die im europäischen Raum konkurrenzfähiges Bestehen garantiert. Es gehe nicht allein darum, heimischen KünstlerInnen eine akademische Ausbildung zu ermöglichen, sondern auch ausländischen einen attraktiven Grund infolge des „Alleinstehungsmerkmales" zu bieten, ihr Studium mindestens in Teilen in Graz zu absolvieren. Die neu zu schaffende Institution sollte zudem im Bereich der Kunstausbildung für Lehrende der Forschung dienen, das künstlerische Personal muss daher auch internationalen Ansprüchen genügen. Angesichts dieser Prämissen gälte es vor allem, inhaltlich adäquat dem erweiterten Kunstbegriff zu arbeiten und jedenfalls nicht allein etwa Malerei und Bildhauerei zu unterrichten. Die Mischung des Studienangebots hinsichtlich einer Transdisziplinarität, unter Berücksichtigung angewandter Mediengestaltung, Philosophie, Physik und Informatik, wird letztlich besagtes „Alleinstellungsmerkmal" bestimmen. Es wird also eine sehr Komplexe Aufgabe sein, schließt Hochreiter, ein tragfähiges Curriculum zu erstellen, um die Chance für ein europäisches Vernetzungsprojekt zur akademischen Ausbildung in den bildenden Künsten wahrnehmen zu können.

Auf Fragen der anwesenden Journalisten zur Finanzierung einer Hochschule der bildenden Künste verwies Kurt Flecker nochmals auf die Kosten optimierende „Bündelung bereits vorhandener Institutionen". Wenn die Steiermark und Graz aber eine Hochschule haben will, wie es der einstimmige Regierungsbeschluss ja bestätigt, hält Flecker es derzeit noch nicht für opportun, Kommissionen zu betrauen, unter deren Diskussionen „die Sache versandet". Und Emil Breisach schließt: „Ein bisschen Geduld werden wir wohl noch haben müssen."

Stellungnahmen zu Universität /Akademie der bildenden Künste:

Univ.-Prof. Dr. Götz Pochat (Kunsthistorisches Inst. KF-Uni): Man müsste eine Akademie der bildenden Künste an die Studieneinrichtungen der bestehenden Kunstuniversität (Musik, Darstellende Kunst) adaptieren. Ein Vorteil wäre sicher, wenn ein Teil des Studiums verpflichtend etwa an ausländischen Instituten abgelegt werden könnte. Dafür bedarf es der Voraussetzungen zur europaweiten Anerkennung absolvierter Studien oder Studienabschnitte. Gerade die Grazer Kunstuniversität zeigt, dass wir durchaus äquivalente Situationen zu den Universitäten in Wien (angewandte, bildende Kunst) schaffen könnten.

Univ.-Doz. Dr. Werner Fenz (Kunsthistorisches Inst. KF-Uni): Der Beschluss, sich um eine Hochschule der bildenden Künste zu bemühen, ist sehr wichtig. Es müssen jetzt sofort Konzepte entwickelt werden, die die Attraktivität eines Hochschulstandortes Graz betonen und nicht als Kopie anderer Hochschulen wahrgenommen werden. Ein Austausch mit dem Nachbarraum Kroatien, Slowenien und Italien sollte angestrebt werden, um möglichst verpflichtend drei Viertel der Studienzeit in Graz und ein Viertel im Ausland absolvieren zu können.

Prof. Peter Weibel (Direktor ZKM Karlsruhe, Chefkurator Neue Galerie): Graz braucht - klarerweise - unbedingt eine Universität der Künste. Im 21. Jahrhundert muss man sich allerdings die Geschichte der Kunstvermittlung überlegen. Was man von Schulen wie Bauhaus oder dem Black Mountain College lernen kann ist, dass man für Graz ein Universitätsmodell entwickeln muss, das weit über die bestehenden in Wien, Salzburg und Linz hinausreicht. Mit der einfachen Erweiterung etwa der Ortweinschule würde sich Graz in die dritte Reihe stellen. Wenn Kunstschulen wirklich gut sind, gehen von ihnen neue Entwicklungen in der Kunst aus. Unser vorläufiges Ziel muss ein neues Curriculum, ein neuer Lehrplan sein, der für den globalen Wettbewerb im 21. Jahrhundert geeignet ist: Ohne Materialtechnologie, ohne naturwissenschaftliche Ausbildung wird ein Künstler im globalen Kontext nicht mehr konkurrenzfähig sein. Eine neue Universität muss aber nicht alle Disziplinen selbst unterrichten, muss diese aber anbieten können, wie es mit einer Vernetzung der Grazer Universitätsinstitute mit Instituten im Ausland vorstellbar ist. Der Lehrplan also muss aus Graz kommen, nach dem Studierende ihr Studium an kooperierenden Universitäten nach einem Stipendiatensystem absolvieren können.

Dr. Christa Steinle (Direktorin Neue Galerie): Traditionelle Ausbildungsstätten für Malerei und Skulptur gibt es in Österreich ja. Ich glaube nicht, dass wir auch in Graz Maler und Bildhauer ausbilden müssen, die wiederum in die Zentren der Aufmerksamkeit gegenüber zeitgenössischer Kunst abwandern würden. Es müsste in Graz - auch in Verbindung mit dem Institut für Kunstgeschichte - eine Schule der Kritik etabliert werden. Die Lehre der Kunsttheorie also muss interdisziplinär forciert werden, um den Ansprüchen der Kunst im 21. Jahrhundert gerecht zu werden.

Dr. Elisabeth Fiedler (Department Kunst- und Kulturgeschichte, Landesmuseum Joanneum): Natürlich ist es notwendig, Graz wieder zu einem wichtigen Standort der Entwicklung der bildenden Kunst zu machen. Das darf aber nicht nach den Modellen einer inzwischen hundertjährigen Tradition der Ausbildung geschehen. Es hat keinen Sinn, Künstler zu produzieren, die anschließend nicht reüssieren können. Das Beispiel der Musikuniversität zeigt, dass man eigenständige Formen eines Lehrangebotes schaffen kann, aufgrund dessen Studierende nach Graz kommen wollen. Die künstlerische Ausbildung jedenfalls muss durch andere Wissenschaften ergänzt und über mehrere Institute vernetzt werden.

 

Externe Verknüpfung Peter Weibel zur Imaginären Akademie




Peter Weibel
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