Hans Koren Gedenkjahr 2006


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Robert Riedl
Text von Friederike Schwab

"Das dreiunddreißigste Jahr" 

Ein Stück Leben, nennt es der Autor. Im Entstehungsprozess in die Nähe von Bachmanns „Das dreißigste Jahr", als Beschreibung einer Lebens- und Liebeskrise gedacht, 2005 fertig gestellt. Ein Stück über die Suche nach authentischer Lebensmöglichkeit, Liebesverlust als Bühnenspiel und als Lebensmodell.

Hihi
, lässt Robert Riedl den Schauspieler Gernot als Hanswurstpeter sagen: alle wissen schon, was eine Krise ist, tja, dann werden wir dem Hanspeterlein nicht sagen, was eine Krise ist, damit, hihi, er weiß, was eine Krise ist.

Robert Riedl arbeitet nicht mir psychologischen Charakterisierungen sondern mit paradoxen Interventionen, um sich an das, was einen Menschen ausmacht, heranzuspielen. Bleib ganz natürlich, einfach so wie du bist, lässt er den Schauspieler wissen, der auf das Theaterspielen fixiert ist, eine Rolle um die andere ausprobiert. Und Rollen gibt es viele für ihn: Da ist er selbst, Gernot, da ist er der Regisseur seiner selbst, Maximillian, und Hanspeter, der Schauspieler seiner Rollen, sie alle reden auf der Lebensbühne durcheinander, gegeneinander, füreinander, um das Leid, genauer die Angst spürbar zu machen, denn die eigentliche Frage ist, ob man dich liebt, ich mein, so wie man ist, so formuliert es Hanspeter.

Das dreiunddreißigste Jahr ist ein einfallsreiches Spiel, in dem Schein und Sein in die Beleuchtung von Komik und Ernst geraten, und wenn es in Ingeborg Bachmanns dreißigstem Jahr kryptisch heißt: steh auf, es ist dir kein Knochen gebrochen worden, so gilt das im dreiunddreißigsten Jahr möglicherweise für das Publikum, denn ob vorbereitet oder nicht, gerät es unversehens in die Lage einerseits mitgespielt zu werden, und andererseits entscheiden zu müssen, wer und was und wann etwas echt oder gespielt lebt oder stirbt.

Bei Robert Riedl kann man sich nicht sicher sein, Tote hat es im Theater schon immer gegeben, heißt es bei ihm. Und Lena, Hanspeters Geliebte, bekommt den wichtigsten Satz im Stück, er zitiert sie mit: Leben ist Müssen.

Eindrucksvolle symbolische Bildsequenzen, auf der Bühne mittels Videos sichtbar, ergänzen Robert Riedls direkte, unmittelbar treffende Sprache. Indem er prüft, was Leben, was Theater sein kann, gibt er der Ungesichertheit Raum und lässt die Frage zu, ob so etwas wie ein richtiges Stück dabei überhaupt möglich wird. Er hat den Mut zum Abstürzen.

Mitten im Stück lässt er das Spiel als beendet gelten, Hanspeter verabschiedet sich vom Publikum, als könne er seiner Rolle entgehen. Er gibt vor, dass ihm das Ende viel zu persönlich wird...

Aber in einem Stück, das ein Stück Leben ist, ist so etwas nicht möglich, die Rolle, die er nicht spielen will, holt ihn zurück auf die Bühne.




Robert Riedl
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Robert Riedl



Kurzbiografie Robert Riedl

Robert Riedl, 1972 in Wagna in der Steiermark geboren und im südoststeirischen Schwarzautal aufgewachsen, studierte Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Germanistik und Philosophie. Er ist zweifacher Preisträger des Literatur-Wettbewerbs der Akademie Graz (2005 und 2006).

Romandebüt: Zum Abschied vom Vater. Prosa. Steirische Verlagsgesellschaft, Edition Literatur. Graz 1999.
Letzte Buchpublikation: Vor den Schmetterlingen. S 161-186. In: 17 Jahre ohne Sex. Geschichten aus einem Wiener Stundenhotel. Salomon, Bernhard (Hrsg.). edition a, Wien 2005.

Zitat aus "Das dreiundreißigste Jahr":
MAXIMILIAN: Hanspeter?
HANSPETER: Ja, Max?
MAXIMILIAN: Warum bleibst du nie bei Lena?
Hanspeter schweigt.
MAXIMILIAN: Du erzählst von ihr, als wäre sie schon tot.
Hanspeter lacht.
MAXIMILIAN (lächelt): Warum lachst du?
HANSPETER: Weil... (ernst) weil ich aus meinem Leben berichte.
Pause.
MAXIMILIAN (ernst): H.P., ihr kennt euch jetzt elf Jahre.
HANSPETER: Du meinst, man merkt mir an, dass ich in einer Krise steck?

(Aus: "Das dreiunddreißigste Jahr. Ein Stück Leben" von Robert Riedl)




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