Hans Koren Gedenkjahr 2006


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Lucas Cejpek
Text von Marusa Krese

Vor ein paar Tagen schrieb mir Bernadette Schiefer aus Guatemala: »Ich habe gelesen, dass du Lucas vorstellst... ich mag es, wie er schreibt.«

Gestern habe ich Dragana und Dzevad auf der Straße getroffen: »Cejpek«, sagt Dzevad... »er ist ein guter Mensch... weißt du, auch politisch... so in unsere richtung...«

Diese zwei Leute haben mich neugiereig gemacht...
Also on the road mit Lucas Cejpek... mit der U-Bahn durch Wien, mit der U-Bahn durch Berlin, durch Prag, Tokio und Moskau, mit der Undergroud durch London, der Metro durch Paris, mit der Subway durch New York..

Dichte Zugfolge... Der Verlag spricht im Klappentext von einer kleinen literarischen Soziologie... das stimmt... viel ist da zu lesen von  technischen Fakten, der Geschichte der U-Bahn in der ganzen Welt... doch zwischen all dem, den Fakten und der Geschichte, findest du dich plötzlich in Poesie, in Fantasie, und wirst auf eine große Reise geschickt...

Ein Buch über die U-Bahn.. über eine andere Art des Reisens...  mit einem Zwischenstop im Kino... einem anderen im Flugzeug... du erinnerst dich an deine ersten U-Bahn Erlebnisse... überall in der Welt... jede Geschichte aus dem Buch garantiert zumindest fünf neue in deinem Kopf...

Zitat: »Auf dem Flug von Wien nach Sydney lese ich in der malaysischen New Sunday Times vom 15.Mai 2005, dass in der Pariser Metro zwei Hochzeitkleider, eine Urne und ein Holzfuß gefunden worden sind... Diese Gegenstände sind als Zeugnisse für Vergesslichkeit des Menschen im Pariser Fundamt ausgesstelt, das vor 200 hundert Jahren von  Napoleon geshaffen wurde und beispielhaft für die französische Verwaltung ist: Everything is catalogued- nothing lost...«

»U-Bahn : Der Augenblick, wo sich unsere Blicke begegnen und sofort wieder abwenden. Der fremde Blick, der dich trifft. Die Nähe auf Zeit...«

Graffiti, break dance, alte Hippies, Mädchen mit Violinen, Sprayer, Werbung:www. jodl. de, Marlon Brando und Maria Schneider treffen sich nach einiger Zeit vor der Metro Station Etoile in Paris... Der erste Wagon der U-Bahn in Kairo ist für Frauen reserviert... Um nicht »des Grapschens« verdächtig zu werden, behalten viele Männer während der Fahrt die Arme ständig oben...Matrix... letzte Metro... Mozarts Musik hat zu einer deutlichen Verringerung von  unsozialem Verhalten der Londoner Jugendbanden geführt.. nach Angaben der Londoner Underground.

Der See, der Regen, der Schlamm... »Aber gefilmt haben sie Wolken«, heißt es in Andrej Tarkowski's Solaris. So ist es auch im Buch Dichte Zugfolge von Lucas Cejpek. Tausende kleine Bilder... Erinnerungen...Gerüche... Bilder von Leuten, die in verlassenen Schächten leben, und glückliche kleine Kinder, die das erste Mal mit dem Zug fahren... Ein Buch als Antidepressivum. Ein Buch, das dich auch in deinen dunklen Tagen neugierig auf das Leben macht und dich auf den Weg schickt...auch wenn es schade ist, dass dabei der Aufenthalt in Wien zu lange dauert und die U-Bahn zu sauber ist...




Lucas Cejpek
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Lucas Cejpek



Kurzbiografie Lucas Cejpek

Lucas Cejpek, geboren 1956 in Wien, von 1960 bis 1990 in Graz, lebt seither als freier Schriftsteller, Theater- und Hörspielregisseur in Wien. Veröffentlicht seit 1988 Essays, Romane und Gesprächsbücher. Seine Poetik ist 1998 unter dem Titel 16.000 Kilometer. Selbstbeschreibung erschienen.

Zitat:
In Wien sind die Kontrolleure nicht zu erkennen, bevor sie sich zu erkennen geben, das heißt sie sind überall. Wer wie ich im U-Bahn-Bereich in ein Notizbuch schreibt, macht sich auffällig. Selbstportrait des Autors als U-Bahn-Passagier.


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