Hans Koren Gedenkjahr 2006


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Gabriel Loidolt
Text von Petra Ganglbauer

Das Leben offeriert uns  nicht immer diesen Pegel an Lautstärke, Grellheit und Geschwindigkeit, wie wir zu meinen glauben, wie uns auch von allem Seiten eingeredet wird: das Leben ist bisweilen stiller, spielt sich an Rändern ab, in dem kleinen japanischen Blumenladen etwa (in der ersten Geschichte des Buches), hinter Jalousien, in Wohnungen...

Ich könnte dieses Buch immer wieder lesen, Jahr für Jahr einpacken in meine große rote Tasche.
Wenn ich im Zug sitze.
Auf einer Bank im Park.
Im Kaffeehaus.
Das sind Geschichten voll Witz; sie sind ebenso geistreich wie unprätentiös.

Die Protagonisten,  die sich ihrer Schwächen, ihrer Sehnsüchte und Begierden auch bewusst sind, halten damit auch nicht hintan;  sie signalisieren ihr Dilemma bisweilen in aller Deutlichkeit und artikulieren sich so, dass ich mich als Leserin auf ihre Gefühlssphäre einlassen kann.  Mitunter wirken sie hilflos, scheu und unbeholfen.

Das ist das Sympathische an diesem Buch:
Die Sprache ist von großer Sensibilität, aus einer erkennbaren Achtsamkeit heraus geschrieben. Kleinste, schräge, ungewöhnliche Alltagssequenzen tauchen da auf.
Dann wieder philosophische Exkurse, Aussagen über die menschliche Existenz schlechthin. An diesen Stellen ist der sprachliche Duktus dann auch ein gänzlich anderer: Ernster, tiefer, akzentuierter; während das Buch in weiten Teilen humorvoll und zart wirkt.
Diese Leichtigkeit wiederum basiert auf großer Gründlichkeit, auf einer konzisen Wahrnehmung.

Die erotischen Annäherungen, die in dem Buch durchaus zahlreich vorkommen,  erfolgen stets aus einem „anderen", kippenden Blickwinkel heraus. Als wären sie, zumindest manchmal, mit einem Augenzwinkern geschrieben worden. Spannend sind diese „Geschichten über die Liebe"  zudem.

Ich finde das Buch gleichermaßen unterhaltsam wie ernst, ein Ernst jedoch, der seine Grenzen aufzuweichen imstande ist, und an seinen Ausläufern dann entstehen jene kleinsten, schrägen und geheimnisvollen Begebenheiten, die das Leben ausmachen.




Gabriel Loidolt
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Gabriel Loidolt



Kurzbiografie Gabriel Loidolt

Geboren 1953 in Eibiswald, aufgewachsen in Graz, studierte Elektrotechnik und Philologie. Arbeitete nach seiner Promotion mehrere Jahre im Ausland, dann bei verschiedenen Kulturvereinen in Graz und 10 Jahre bei der Zeitschrift BLIMP, zeitweise auch als freier Werbetexter. Lesungen in Österreich, Deutschland, Kroatien, Frankreich und Kanada. Sein Roman HURENSOHN kam 2003 auch als Kinofilm unter dem gleichnamigen Titel heraus.

Wichtigste literarische Publikationen:

G.L.: DER LEUCHTTURM (Roman, Droschl 1988; Gallimard 1991, Durieux-Zagreb 1994.)
G.L.: LEVYS NEUE BESCHWERDE (Roman, Droschl 1989, Gallimard 1991)
G.L.: HURENSOHN (Roman, Fest, Berlin: 1998)
HURENSOHN (= FILS DE PUTAIN. L'esprit des Péninsules, Paris 2003)
Hurensohn: Kinofilm (Aichholzer Filmproduktion Wien)
G.L.: DIE IRISCHE GELIEBTE (Roman, Reclam, Leipzig 2005)
G.L.: BEGEGNUNG UM MITTERNACHT. 10 GESCHICHTEN ÜBER DIE LIEBE. (Erzählungen, Leykam, Graz 2006)

Zitat:
"Der Trend ist ein Flittchen, die Mode eine Hure."




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