Hans Koren Gedenkjahr 2006


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Relational Aesthetics und die Kunst, Beziehungen erfahrbar zu machen
Wenzel Mraček nach einem Gespräch mit Adam Budak, Kurator am Kunsthaus Graz


Zu unserem Gespräch für die Imaginäre Akademie bringt Adam Budak das Plakat der Mobilen Externe Verknüpfung Akademie Warschau mit: Das Sujet zeigt nicht gerade hip gekleidete, etwas ältlich wirkende Zwillingsschwestern in ironisch kritischer Anspielung auf den polnischen Staatspräsidenten Lech und seinen Zwillingsbruder Jaroslaw Kaczynski, den Regierungschef, die aus der von ihnen vor sechs Jahren gegründeten konservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ hervorgingen. Ich sollte „wirklich“ nach Warschau fahren, empfiehlt der 1966 geborene Pole Adam Budak, der seit 2003 als Kurator für das Kunsthaus Graz tätig ist. Die Mobile Akademie Warschau ist ein Projekt von Hannah Hurtzig und Carolin Hochleichter; nach Bochum (1999) und Berlin (2002/2004) ist dies die vierte Ausgabe der Mobilen Akademie, die sich vom 25. August bis zum 10. September unter dem Titel Geister, Gespenster, Phantome und die Orte an denen sie leben das Gespenstische in der Architektur, im Politischen, in der zeitgenössischen Kunst und Kunsttheorie untersucht. In einem Programmauszug zu den Intentionen dieser Veranstaltung heißt es: „Alle diese Unsichtbaren - Geister, Untoten, Phantome, Wiedergänger, Vampire und Gespenster - können nur in den gesellschaftlichen Zusammenhängen verstanden werden, die sie produziert haben, meist durch Ausschluss, Verdrängung, Ausgrenzung. So hat ‘das Phantom der Marktwirtschaft das Gespenst des Kommunismus ersetzt’ (Heiner Müller). Die modernste Gestalt des Gespenstischen wäre heute der Flüchtling, der illegale Migrant, der zwar anwesend ist, dem aber die Bürgerrechte aberkannt werden und der aus der öffentlichen Wahrnehmung und dem gesellschaftlichen Netz heraus fällt. Projekte werden an jenen Warschauer Geisterorten und Schattenreichen entwickelt, die die Transformationsprozesse der letzten Jahre spiegeln.“
Adam Budaks Verbindung zur Mobilen Akademie besteht über deren Zusammenarbeit mit demExterne Verknüpfung  Büro Kopernikus – deutsch polnische Kulturprojekte, dessen Expertengremium er angehört. Eigentlich war er eingeladen, einen Workshop zu gestalten oder einen Vortrag zu halten, aufgrund der Vorbereitungen zur „Ausstellung“ Externe Verknüpfung Protections. Das ist keine Ausstellung im Kunsthaus Graz vom 23. 09. bis 22. 10. 06, für die Adam Budak ein Rahmenprogramm entwarf und organisierte, muss es bei einem Kurzbesuch in Warschau bleiben.

Adam Budak studierte Theaterwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte in Krakau, Prag, Colchester (GB) und Rochester (USA). Er ist Gastkurator am Łaźnia Centre for Contemporary Art in Gdansk und arbeitet als Kurator für diverse Institutionen, insbesondere die Bunkier Sztuki/Bunker of Art Gallery („Kunst-Bunker“), Krakau. Er ist Lektor für Kunstgeschichte, Film und Gender Studies an der Universität Krakau sowie Gastprofessor am Higher Institute for Fine Arts in Antwerpen und Autor zahlreicher Beiträge in Anthologien, Magazinen, Katalogen, Herausgeber einer Anthologie zur modernen Architektur ( Externe Verknüpfung „What is Architecture?“, Krakau, 2002). Er wurde für den polnischen Pavillon Architektur-Biennale in Venedig 2004 zum Kurator und zum Co-Kurator der Biennale 2, 2005 in Prag nominiert.

Das Rahmenprogramm zu Protections unter dem Titel Kunsthaus Unplugged, erklärt er, ist durchaus vergleichbar den Konzepten und Inhalten der Mobilen Akademie Warschau. Nachdem Protections ein mehrschichtig angelegtes, sich veränderndes, selbst hinterfragendes Gefüge vielfältiger Versuchsanordnungen ist – von architektonischen Interventionen, Performances, theatralen Formen und performativen Installationen bis hin zu filmischen, konzeptuellen und diskursiven Studien um Fragen nach sozialen Beziehungen, den Wünschen und Ängsten hinsichtlich Stabilität und sozialer Kontinuität – ist das Rahmenprogramm Kunsthaus Unplugged ein diskursives Metaprojekt als Versuch, traditionelle museale, kuratorische, kunst- und kulturpublizistische Handlungsweisen an zeitgemäße Entwicklungs- und Dokumentationsverfahren heranzuführen. Budak versteht die Veranstaltung als „Performance von KuratorInnen und KünstlerInnen“. Curating as a Performance handelt von Situationen der Erweiterung des Kunstbegriffes und Beispielen für die Versuche, das Habitat Kunstkontext zu verlassen. Neben anderen setzt sich etwa der Berliner Künstler und Kurator Florian Zeyfang mit experimentellen Filmen aus der Zeit zwischen 1907 und 1970 auseinander. Hopf, Sadr-Haghighian und Zeyfang unternahmen zu ihrer Viedeoinstallation Proprio Aperto (2005) zum einen selbst den Einbruch in die im Winter verwaisten Giardini der Biennale in Venedig, zum anderen fanden sie dort Spuren von Einbrüchen in die Pavillons, unter anderem Gaffiti, die auf gegenkulturelle Gruppenzusammenhänge verweisen. Oder, ebenfalls in der Reihe Curating as a Performance, stellt Sören Grammel vom Grazer Kunstverein den schwedischen Künstler Luca Frei vor. Seit Jänner 2006 ist der Eingangskorridor des Grazer Kunstvereins in der Bürgergasse das „künstlerische Eigentum“ von Luca Frei und wird von ihm immer wieder verändert und unterschiedlich genutzt. Im Oktober geht dieser Korridor auf Reisen und macht Station im Gutshaus Kranz, der anagrammatischen Mutation des Kunsthaus Graz während Steirischer Herbst '06. Hier stellt Frei das Buch Sparks vor, das wiederum als imaginäre Reise in Form von Texten und Grafiken parallel zu einem Projekt des Künstlers unter dem Titel The dream has gone away in Stockholmer U-Bahnstationen entstanden ist. Die Künstlerin Elisabeth Penker (Wien), der Architekt Philippe Rahm (Paris), Roman Ondak (Künstler, Bratislava) und Nicolaus Hirsch (Architekt, Frankfurt) führen nicht wie üblich durch die Ausstellung (die keine ist) Protections, vielmehr wird die Bewegung auf eine Metaebene verlagert und die Führung jeweils zur Performance als Guided (Artist) Tours as Performance. Als Versuch eines Paradigmenwechsels legen Claire Bishop (Department of Curating Contemporary Art, Royal College of Art, London) und Maria Lind (Direktorin IASPIS, Stockholm) ihre Reflexionen kuratorischer Verfahrensweisen an, indem sie formale und inhaltliche Entwicklung des Mediums Buch als Aufführung entwickeln: Book as a Performance. Wenngleich durch seine Eckpunkten, Termine und Protagonisten fixiert, ist Kunsthaus Unplugged als offener Prozess konzipiert, der sich einem Rhizom vergleichbar über 21 Tage parallel zur Ausstellung (die keine ist) Protections entwickeln soll.




Adam Budak mit Plakat zu „Geister, Gespenster, Phantome und die Orte an denen sie leben“, Warschau 25. August - 10. September 2006
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Adam Budak mit Plakat zu „Geister, Gespenster, Phantome und die Orte an denen sie leben“, Warschau 25. August - 10. September 2006

Pawel Althamer, Artist in Residence, Kunsthaus 2004
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Pawel Althamer, Artist in Residence, Kunsthaus 2004

Sabine Richter: Insight-Out, Minoritengalerien 2004
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Sabine Richter: Insight-Out, Minoritengalerien 2004


„Ganz am Anfang“, erzählt Adam Budak, „habe ich Theaterwissenschaften in Krakau studiert. Dabei hatte ich stets interdisziplinäre Interessen, die in den von mir kuratierten Ausstellungen wie Video Dreams [Kunsthaus 2004] – unter Betonung von Aspekten der Überschneidung des Cineastischen und Theatralischen – oder Protections maßgeblich sind. Mein Anliegen ist es, mich mit einer seit Mitte der 1990er Jahren virulenten Tendenz im Kunstdiskurs, den Relational Aesthetics [1] nach Nicolas Bourriaud, auseinander zusetzen.“ Nach seinem Studium in Krakau belegte Budak einen Lehrgang zur Philosophie und Geschichte der Kunst und Architektur am Prague College der Central European University. Dieses „phantastische Umfeld von Architekten, Philosophen und Kunsthistorikern“ sollte sich für ihn als „direkter Weg in die kuratorische Praxis“ erweisen und er entwickelte für sich die Prinzipien seiner Arbeit als immer neu zu erkundende Antwort auf die Frage: „Wie kann man die Begriffe Kunst und Konzept im Raum organisieren?“ Dieses College in Prag betrachtet Budak heute als seinen „eye opener“. In Colchester, „sozusagen der Schluss meiner universitären Studien“, belegte er noch einen postgradualen Lehrgang zur Kunstgeschichte und Kunsttheorie. Wieder zurück in Krakau war Budak Mitglied einer Gruppe, die die Studienrichtung Kulturmanagement an der Universität initiierte, was sich an der zweitältesten geisteswissenschaftlichen Universität Europas aufgrund des Widerstandes einer konservativen Universitätsleitung als äußerst schwierig erweisen sollte. Schließlich unterrichtete er aber im Rahmen der neuen Studienrichtung Zeitgenössische Kunst, Filmgeschichte und „International Circulation of Art and Culture“, eine Reihe von Vorlesungen um Fragen der Institutierung von Kunst und Kultur. Von der Galerie für zeitgenössische Kunst Krakau, dem so genannten Kunstbunker / Externe Verknüpfung Bunkier Sztuki – „weil das Gebäude auf den ersten Blick an einen Bunker erinnert“ –, wurde er eingeladen, eine Ausstellung über einen Maler und Bühnenbildner zu gestalten, der vor allem in den 1960er Jahren maßgeblich für Theater und Malerei in Polen war. „Ich war ungeduldig. An der Universität gab es kein Geld und in diesem konservativen Klima bestand kein Interesse an der zeitgenössischen Kunst.“ Budak gründete also in Zusammenarbeit mit dem Kunstbunker einen Klub, der sich um Einladungen internationaler Kunsthistoriker bemühte. „Der Klub und die Galerie waren für mich ein freier Bereich, in dem ich niemandem verantwortlich war und in dem wir auf aktuelle internationale Tendenzen reagieren konnten.“

Mit dem Kunstbunker startete Budak die immer noch weiter geführte Reihe Externe Verknüpfung What is Architecture?  zu der neben anderen Peter Pakesch, Colin Fournier und Klaus Kada nach Krakau eingeladen worden waren. Peter Cook dagegen sagte seinen Besuch in einem Brief ab, weil er während der Bauarbeiten am Kunsthaus Graz unabkömmlich war. Cook und das Kunsthaus allerdings weckten Budaks Interesse an Graz und schließlich fragte ihn Peter Pakesch, ob er sich die Arbeit als Kurator am Kunsthaus Graz vorstellen könnte. Für Adam Budak „eine unglaubliche Möglichkeit, an einer ganz neuen Institution zu arbeiten“. An Graz war Budak aber auch insofern interessiert, als er sich von hier aus Verbindungen zu KünstlerInnen und KuratorInnen in Südosteuropa erhoffte und immer noch am Zustandekommen von Kontakten arbeitet. Im Vergleich zu Krakau, so dachte er, sei dies „von Graz aus nur um die nächste Ecke gelegen“. Allerdings seien bisher nur einige Besuche in Belgrad zustande gekommen.

Sein erster Auftrag für das Kunsthaus im Jahr 2003 war die Mitarbeit an Überlegungen zu einer möglichen Neuauflage der Trigon-Biennale, damit verbunden seine Vorstellung bei den leitenden Personen der Grazer Kulturinstitutionen wie Eva Maria Stadler, Anton Lederer, Johannes Rauchenberger und anderen mehr. Die Diskussion behandelte Fragen um die inzwischen historischen Bedingungen der Begründung der Biennalen durch Hanns Koren, als Plattform kulturellen und künstlerischen Austausches in einem grenzübergreifenden Verständnis zwischen Italien, Jugoslawien und Österreich. Die Initiative, ein zeitadäquates Format in Referenz an die Trigon-Idee zu entwickeln, ging vor allem von Peter Pakesch aus. Auf Budaks Frage, warum man sich angesichts eines Booms zyklischer Ausstellungen von Gegenwartskunst bzw. Messen und Festivals wie der Biennale in Venedig, Manifesta, Documenta, Art Basel etc. auf die Trigon-Biennalen von 1963 bis 1995 beziehen wolle, was ihm „redundant“ erschien, antwortete Pakesch, es handelte sich hierbei um eine sentimentale Angelegenheit. Damit wurde für Budak aber auch verständlich, dass die Trigon-Biennalen die „erste Bühne, die erste Möglichkeit in Graz war, zeitgenössische Kunst in einem überregionalen Rahmen zu präsentieren und zu rezipieren“. Aus besagter Diskussion ging im September 2004 ein Workshop unter dem Titel dispositiv trigon hervor, zu dem KuratorInnen aus Italien und Osteuropa, von Russland bis Mazedonien eingeladen worden waren, ihre Überlegungen und Vorschläge zu einem biennalen Modell für Graz zu präsentieren. Eine weiterführende Diskussion auf Basis dieses Workshops kam allerdings nicht zustande, was Budak unter anderem auf ausbleibendes Feedback der Grazer zurückführt. Ein weiterführender Kontakt der Grazer Institutionen mit den am Workshop beteiligten KuratorInnen sei ausgeblieben. In einem Interview mit dem Falter (26/2006) nahm Peter Pakesch nochmals Stellung: „Meine Idee mit dispositiv trigon war, für die bildende Kunst und die in diesem Bereich tätigen Institutionen und Künstler ein Gefäß zu schaffen, wo quasi die Stadt zu einer Ausstellung wird, alle zwei oder drei Jahre. Dadurch generiert man mehr und überregionale Bedeutung. Im Moment ist ein wenig ein Horror Vacui da.“ Für Adam Budak besteht, so sein Resümee zu dieser Versuchsanordnung, nach wie vor die Notwendigkeit, überregionale Verbindungen herzustellen und Zusammenarbeit mit Institutionen und KuratorInnen zu stärken: „Wir brauchen dieses Potential, aber es bedarf einer Fokussierung – und es bedarf eines größeren Enthusiasmus der Grazer.“

Resümee zu dieser Versuchsanordnung, nach wie vor die Notwendigkeit, überregionale Verbindungen herzustellen und Zusammenarbeit mit Institutionen und KuratorInnen zu stärken: „Wir brauchen dieses Potential, aber es bedarf einer Fokussierung – und es bedarf eines größeren Enthusiasmus der Grazer.“

Am Beispiel der Ausstellung (die keine ist) Protections erklärt Adam Budak nochmals seine Intentionen des Kuratierens: „Am 22. Oktober soll Protections nicht zu Ende sein, vielmehr soll damit ein Prinzip weitergeführt werden, das mit dem Begriff Bewegung umschrieben werden kann, das nicht fixiert werden kann und sich ständig weiterentwickelt. Statt nur einer Eröffnung im Rahmen dieses und folgender Projekte hätte ich gerne fünf weitere Eröffnungen, statt nur eines Kurators besser fünf Kuratoren, deren Projekte einander bedingen und in Abhängigkeit hinsichtlich der Disziplinen und Inhalte zueinander stehen.“ Das Konzept von Protections entspricht einer sukzessiven Erweiterung nach dem Prinzip: Die Ausstellung als Entwicklung der Ausstellung. In Erinnerung an die von ihm angesprochenen Relational Aesthetics und an genreübergreifende Dramaturgien des bildenden Künstlers und Theatermachers Tadeusz Kantor (1915-1990)[2] versucht Budak, dem statisch musealen ein Konzept der Bewegung, der Beziehungen und der offenen Strukturen entgegenzusetzen.

Dieser Haltung verpflichtet, lud Budak im Jahr 2004 den Warschauer Documenta-Teilnehmer Externe Verknüpfung Pawel Althamer als Artist in Residence an das Kunsthaus Graz. Auf Vermittlung Adam Budaks konzipierteAlthamer, der sich in Zusammenhang mit seinen vielfach als performativ zu charakterisierenden und auf sozialen Recherchen basierenden Arbeiten als „Regie-Assistent der Realität“ bezeichnet, schon 2001 im OK Centrum für Gegenwartskunst in Linz im Rahmen von ReLocation ein Projekt, das im Umfeld zweier in Linz ansässiger Vereine polnischer Immigranten entstand. Für die Dauer dreier Monate übersiedelten beide Vereine in das OK Centrum, organisierten dort ihre Kulturveranstaltungen, gaben etwa Filmabende oder hielten Deutschkurse ab. Die notwendigen Umbauten wurden von polnischen Arbeitern ausgeführt. Einer öffentlich kaum wahrgenommenen Teilgesellschaft im Verband einer Stadt wurde so für eine begrenzte Zeit Aufmerksamkeit im Kunstraum zuteil. Für die BIX-Fassade am Kunsthaus Graz möchte Althamer dieses Konzept weiter ausführen: Inserate zur Übernahme handwerklicher Arbeiten, üblicherweise in der Wiener Straßenzeitung Augustin veröffentlicht, sollen Grundlage einer Lichtinstallation sein.

Adam Budak ist auch als Kurator für manggha – Zentrum für japanische Kunst und Technologie in Krakau tätig. Im März dieses Jahres richtete er hier eine Personalausstellung mit der Nürnberger Bildhauerin Sabine Richter aus. Sabine Richter beschäftigt sich einigen Jahren mit Architekturfotografie, wobei der Fokus ihres Kamerablicks auf strukturelle Details in Übergangsbereichen zwischen Baukörper und Umgebung gerichtet ist. Klaus Kadas Stadthalle Graz ging so 2002 in eine Serie von Fotografien ein, die durch ihre mehrfachen Spiegelungen des Stahl-Glas-Komplexes im Bild konstruktivistischen Charakter erfahren, der außerdem in grafischen Arbeiten, als Freistellung dominanter Strukturen, zusätzliche Betonung erfährt. Im Jahr 2004 präsentierten die Minoriten Galerien diese Arbeiten von Sabine Richter in Graz unter dem Titel Externe Verknüpfung insight-out Neben für Krakau ortsspezifischen zeigte Richter auch im manggha-Zentrum Arbeiten aus der Serie über die Stadthalle Graz, für die Adam Budak im Katalogtext den Aspekt der „sich selbst erzeugenden Form“ in einem „Netz unsichtbarer Gesten“ ausmacht.

Ein aktuelles und noch bis zum 17 September laufendes Projekt trägt den Titel Externe Verknüpfung Last Year in Eggenberg, The Paradise Show . Der Londoner Gavin Turk errichtete mit Plastiken, Objekten, Installationen und dramatischen Inszenierungen ein vielschichtiges assoziatives Netzwerk zwischen Alain Resnais’ Spielfilm Letztes Jahr in Marienbad (1961), Sprachspielen über die Form eigener Plastiken und den Namen Egg-enberg (sic.) (siehe Œuvre (Duck,), 2002) oder die eigene Person in einem Bezug zu einer historischen Kuriosität aus der Zeit Maria Theresias. In einem Video mit dem Titel Mechanical Turk stellt Gavin Turk den mechanischen Schachspieler Wolfgang von Kempelens dar, der erstmals 1769 der Kaiserin präsentiert wurde und unter dem Synonym Der Türke als erste Schach spielende Maschine in die Geschichte eingehen sollte. Dass es sich bei diesem Externe Verknüpfung Androiden um einen charmanten Betrug handelte, der aber dem Baron von Kempelen die angestrebte Stelle bei Hof einbrachte, sollte sich erst im folgenden Jahrhundert herausstellen.

In den Arbeiten Gavin Turks finden sich aber auch inhaltliche Bezüge zum Werk des Schriftstellers Jorge Luis Borges. – Ein glückliches Zusammentreffen, denn auch Adam Budak beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit dem Werk Borges’ und dies führte zu der Idee, für die kommenden Jahre eine Ausstellung in Anlehnung an Borges’ Fiktionen (Ficciones, 1944) zu konzipieren: „Nicht über Borges“, betont Adam Budak, „ sondern über die imaginäre Welt von Borges.“


[1] Nicolas Bourriaud: Relational Aesthetics, Paris 2002. Nicolas Bourriaud ist Direktor des Palais de Tokyo in Paris. Relational Aesthetics behandelt vor allem eine Verschiebung des künstlerischen und kunsttheoretischen Fokus „von einer Beschäftigung mit Objekten und Installationen hin zu einer Beschäftigung mit Subjekten und der Ermöglichung ihrer Teilnahme an Kunstaktivitäten“. Durch die Beziehungen zwischen den Subjekten (KünstlerInnen, RezipientInnen, Gesellschaft) und die Kontextualisierung der Objekte (Kunstwerke) werden Verläufe, Prozesse ausgelöst bzw. sichtbar gemacht. (Vgl. dazu Suzana Milevska: Externe Verknüpfung Partizipatorische Kunst. Überlegungen zum Paradigmenwechsel vom Objekt zum Subjekt. Angemerkt soll hier allerdings werden, dass partizipatorische Kunst kein Phänomen allein der 1990er Jahre ist, verwiesen sei auf Dada und folgende Entwicklungen wie Aktionismus, Happening, Fluxus, Situationismus oder genreübergreifende Theaterformen. In ihren Ambitionen erinnern die Relational Aesthetics an Herangehensweisen des Strukturalismus nach Claude Lévi-Strauss, Roland Barthes, Michel Foucault u.a.
[2]
Der Künstler und Theatermacher Tadeusz Kantor (1915-1990) plädierte für ein Theater, das kein unmittelbarer Abklatsch der Realität ist, sondern in der Überschreitung zwischen Kunst und Leben das Unmögliche, Phantastische und Unbekannte erprobt. Das Theater „sucht nach einer neuen tief in der Vergangenheit verwurzelten Abstammung, die aus uralten Bräuchen kommt, aus Ur-Ritualen, aus magischen Praktiken, aus Festen, aus feierlichen Zeremonien, aus Spielen, aus Prunk und Umzügen, aus Massen- und Straßentheater, aus politischem und agitatorischem Theater, es sucht nach ihr überall dort, wo die Kunst kein zum Konsum bestimmtes Produkt, sondern eine integrale Komponente des Lebens darstellt.
Noch bis zum 3. November zeigt die Kunsthalle Wien unter dem Titel Externe Verknüpfung Das unmögliche Theater eine Ausstellung zum Werk Kantors, der auch eine Professur an der Universität Krakau innehatte, und polnischen KünstlerInnen der jüngeren Generation, die sich in ihrer Arbeit wie Kantor in gattungsüberschreitenden Bereichen von bildender Kunst, Film, Performance und Theater bewegen. Pawel Althamer, Artur Zmijewski und Katarzyna Kozyra fassen den gesellschaftlichen Alltag als Raum auf, den der Künstler als Vermittler besetzt und in Interaktion mit dem Publikum tritt. Robert Kusmirowki setzt dort an, wo die Grenzen zwischen illusorischem und realem Raum liegen und die Unterscheidung von Fiktion und Realität, Original und Kopie unmöglich wird.



Gavin Turk vor Œuvre (Duck,), 2002. Œuvre (Duck,) und weitere Arbeiten Turks sind bis zum 17. September im Park von Schloss Eggenberg zu sehen.
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Gavin Turk vor Œuvre (Duck,), 2002. Œuvre (Duck,) und weitere Arbeiten Turks sind bis zum 17. September im Park von Schloss Eggenberg zu sehen.




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