Hans Koren Gedenkjahr 2006


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Junge slowenische Architektur und Stadtentwicklung


Teil 1. Am Anfang stand die Frage nach einer slowenischen Identität, am Ende die, ob kritischer Regionalismus überhaupt angestrebt wird.

Schon der Titel zeigte die Richtung an. Beim ersten Abend der ZV-Reihe SLO} {discussions „Junge slowenische Architektur: Kulturimport oder kritischer Regionalismus?“ am 29.03. im Haus der Architektur Graz wollte man der Frage nachgehen, ob die neuere slowenische Architektur ein eigenständiges, unverwechselbares Profil, ob sie slowenische Identität entwickle. Zur Klärung der Lage hatte man sich Andrej Hrausky, den profundesten Kenner und steten Beobachter der slowenischen Architekturproduktion eingeladen, wohl ahnend, dass die eingeladenen Architektur-Produzenten, das seit 2003 in Slowenien arbeitende Architektenduo Dekleva Gregoric (Ljubljana) und die Gruppe AKSL Arhitekti (seit 2000 ebenfalls in Ljubljana) die Analyse ihrer Arbeit selbst weder übernehmen können noch wollen.
In der ausführlichen, mit Bildern untermalten Einführung, in der Andrej Hrausky weit ausholte und mit der Arbeit von Joze Plečnik wohl auf die ruhmreichste Geschichte der slowenischen Architektur kam, wurde klar, warum sich die Frage nach Identität und kritischem Regionalismus heute überhaupt stellt. Plečnik (1872-1957) hatte es vorgemacht. In seinen bis heute vielbeachteten Bauten lassen sich europäische Einflüsse von Otto Wagner bis zur Moderne ablesen, wenngleich sie in eine eigenständige Architektursprache transferiert wurden, die neben einer Vorliebe für klassische Monumentalität eine deutliche Hinwendung zu lokaler Tradition und Handwerkskunst aufweist. Fortgesetzt wurde der moderne Regionalismus nach dem Krieg durch die zentrale Figur der Architekturfakultät Ljubljana, Edvard Ravnikar, der die Erfahrungen aus der Arbeit in Le Corbusiers Atelier mit der Tradition der Plečnik-Schule verknüpfte und versuchte, daraus eine regionale Variante des Internationalen Stils zu entwickeln.
Die Arbeit von AKSL Arhitekti scheint frei zu sein von (einschüchternden) Beeinflussungen der großen „Überväter“ Plečnik und Ravnikar. Aleš Košak und Špela Leskovic gehören der jüngsten Architektengeneration an, sind jedoch, anders als ihre Kollegen Dekleva Gregorič nach dem Studium in Slowenien geblieben. In ihrer Werkschau machten sie deutlich, dass ihre Herangehensweise an eine konkrete Aufgabe nicht durch Programmatik, sondern durch Pragmatik gekennzeichnet ist. Die gezeigten Arbeiten - Interieurs von einem Cafè in Kranj, einem Restaurant, einem Frisiersalon und einer Werbeagentur in Ljubjana, Umbauten, Zubauten und Wettbewerbsbeiträge zu Einfamilienhäusern und drei mittelgroße öffentliche Bauten - sind detailgenaue, gekonnte Dienstleistungen, die sich an den Bedürfnissen und Mitteln der Auftraggeber orientieren und Form und Erscheinung aus der jeweiligen Aufgabenstellung generieren.
Dekleva Gregorič zeigen schon in der perfekten Anwendung des Englischen, dass sie, bedingt durch ihr Postgraduate-Studium an der AA in London, Weltbürger geworden sind. Auch ihr Leitsatz „Design as research and response“ und der Fokus auf den User und das Material drücken weniger slowenische Identität aus als einen anlassbezogenen „pragmatischen“ Zugang zu Aufgabe und Entwurf. Das wenig über dreißig Jahre alte Architektenpaar zeigte den Wohnblock „3 for one“ in Sezana (an der italienischen Grenze) und ihr Siegerprojekt eines städtebaulich dominierten Wohnbauwettbewerbs aus 2006. Ein eigenes Profil entwickelten sie mit dem Winzigprojekt XXS-House in Ljubljana, mit dem es ihnen gelang, aus rigoros einschränkenden Vorgaben erstaunliche räumliche, formale und Belichtungs-Qualität zu entwickeln.
Dieses kleine objekthafte Erstlingswerk brachte Dekleva Gregorič jene internationale Beachtung, die immer auch dazu führt, dass wie im HDA die Frage nach dem typisch Slowenischen in der Architektur der jungen slowenischen Architektengeneration gestellt wird. Den an diesem Abend präsentierten Projekten der beiden Gruppen war keine nationale Ausprägung abzulesen. Da konnte Andrej Hrausky noch so bemüht sein, slowenische Eigenheiten zu formulieren, die respektvolle Beachtung des „Genius loci“ und die Fähigkeit zur genauen Detaillierung machen noch keinen eigenständigen slowenischen Weg aus. Die Frage drängte sich auf: Muss das kleine Land Slowenien mit 2 Millionen Einwohnern überhaupt einen neuen Anlauf zur Entwicklung einer Architektur mit slowenischer Identität nehmen? Ist es nicht ausreichend, in Zeiten eines auch Slowenien überrollenden neuen Kapitalismus beharrlich an Wert und Bedeutung von höchster Bauqualität für die Gesellschaft festzuhalten? Nicht mehr, aber auch nicht weniger - hatte man den Eindruck - haben sich Dekleva Gregorič und AKSL Arhitekti für ihre Arbeit vorgenommen.


Karin Tschavgova




Einführende Worte zu SLO} {discussions 1 von Dr. Heimo Steps (Koordination Hanns-Koren-Bedenkjahr 2006, Land Stmk.) und
Einführende Worte zu SLO} {discussions 1 von Dr. Heimo Steps (Koordination Hanns-Koren-Bedenkjahr 2006, Land Stmk.) und

Dr. Kurt Oktabetz (Honorarkonsul der Republik Slowenien
Dr. Kurt Oktabetz (Honorarkonsul der Republik Slowenien

SLO} {discussions 1 mit Martin Krammer (Moderation), Aljosa Dekleva und Tina Gregoric, Andrej Hrausky, Ales Kosak und Spela Leskovic (v. li.)
SLO} {discussions 1 mit Martin Krammer (Moderation), Aljosa Dekleva und Tina Gregoric, Andrej Hrausky, Ales Kosak und Spela Leskovic (v. li.)

Ales Kosak (AKSL Arhitekti, Ljubljana) nützt die Gelegenheit für eine umfangreiche Werkschau
Ales Kosak (AKSL Arhitekti, Ljubljana) nützt die Gelegenheit für eine umfangreiche Werkschau

Tina Gregoric und
Tina Gregoric und

Aljosa Dekleva (Dekleva Gregoric, Ljubljana) schaffen mit ihrer Präsentation den Übergang zur geplanten Diskussion mit dem Thema „Junge Slowenische Architektur: Kulturimport oder kritischer Regionalismus?“
Aljosa Dekleva (Dekleva Gregoric, Ljubljana) schaffen mit ihrer Präsentation den Übergang zur geplanten Diskussion mit dem Thema „Junge Slowenische Architektur: Kulturimport oder kritischer Regionalismus?“


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