Hans Koren Gedenkjahr 2006


suchen 

Home  |   Projekte
 
manuskripte in paris

Ein schönes Abenteuer

Am 13.März 1966 schloss André Malraux anlässlich der Eröffnung des Kulturhauses von Amiens seine Rede mit der Bemerkung : « Und, wenn Sie wollen, sage ich Ihnen, dass Sie eines der schönsten Abenteuer eingehen, das je in Frankreich in Angriff genommen wurde : in zehn Jahren wird dieses hässliche Wort « Provinz » in diesem Land zu existieren aufgehört haben. »

In eben diesen 60erjahren hatte Graz, Hauptstadt des Landes Steiermark, zu dieser Zeit ganz nahe am Eisernen Vorhang und im toten Winkel Europas, dieses schöne Abenteuer, von dem André Malraux sprach, schon in Angriff genommen : Eine Gruppe von Künstlern und Autoren, unter ihnen Alfred Kolleritsch, Herausgeber der « manuskripte », hatte gegen das im Lande herrschende drückende Klima revoltiert, gegen eine von hinterwäldlerischem Konservativismus und vor allem von einem noch immer resistenten  nationalsozialistischem Denken geprägte Atmosphäre.

Sie hatten einen starken Verbündeten in der Person des steirischen Kulturlandesrates Hanns Koren. Als Vertreter der christlich-demokratischen Österreichischen Volkspartei und als gläubiger Katholik hat er glühend und ohne Angst vor Konflikten die in Graz geschaffene und präsentierte Avantgardekunst und -literatur verteidigt.

In einer freien Zusammenarbeit zwischen Politik und Kultur wurde Graz schnell zur Hauptstadt der Avantgarde in Österreich, auch vom Rückstand Wiens profitierend, der österreichischen Hauptstadt, die in einer konservativen Mentalität verharrte. So löste sich Graz aus der provinziellen Einkapselung, dank der Schaffung des Forum Stadtpark, einem autonomen Zentrum der künstlerischen Arbeit und deren Präsentation, und der Publikation der Zeitschrift « manuskripte », die ebenfalls in den Räumen des Forums geschah.

In den deutschsprachigen Ländern wurde Graz bald als « Hauptstadt der deutschsprachigen Literatur » bezeichnet. Alfred Kolleritsch, der heute noch Herausgeber der « manuskripte » ist, hat Elfriede Jelinek und Peter Handke entdeckt und ihre ersten Texte publiziert, um nur von den in Frankreich bekanntesten Autoren zu sprechen. Sehr schnell ist die Zeitschrift ein Medium ersten Ranges für die deutschsprachige Literatur geworden. Österreichische, deutsche und Schweizer Autoren, darunter die Größten, haben Texte für Alfred Kolleritsch geschrieben. Er selbst hat parallel dazu immer eine große Neugier und eine geschärfte Aufmerksamkeit für die jungen Autoren kultiviert.

Ganz in dieser Tradition stellt die Veranstaltung « manuskripte in Paris » in Frankreich schon bekannte und veröffentlichte Autoren vor, aber auch junge SchriftstellerInnen. Dieses Ereignis ist Teil des Projektes « auszeit - Hanns Koren Bedenkjahr 2006 ». Dieser grosse Mann würde heuer seinen 100. Geburtstag feiern. Er hat 1968 den « steirischen herbst » gegründet, einen Brennpunkt der aktuellen Kunst und Literatur mit internationaler Ausstrahlung. Sein Ziel war die Konfrontation des Besten, was in der Steiermark geschaffen wird, mit dem, was in den anderen Ländern passiert. Genau in diesem Geist haben wir die Veranstaltung am 1. und 2. Juni 2006 in Paris vorbereitet. Am wichtigsten dabei ist uns die Verbreitung der Texte in Paris, noch immer Weltkuturhauptstadt , genauso wie die kritische Diskussion, die sich daraus ergeben könnte.

Heimo Steps




Titelbild - „Seele der Kugel" von Wolfgang Bauer
Bildvergrößerung
Titelbild - „Seele der Kugel" von Wolfgang Bauer


Zeichnung von Wolfgang Bauer
Bildvergrößerung
Zeichnung von Wolfgang Bauer



Die Sondernummer der "manuskripte" ist im Landesmuseum Joanneum erhältlich.
Externe Verknüpfung Inhaltsangabe der Manuskripte-Sondernummer als pdf-Datei
http://www.manuskripte.at/

1./2.Juni, Théâtre du Rond Point des Champs-Elysées Paris
Externe Verknüpfung Programm als pdf-Datei




Zeichnung von Wolfgang Bauer
Bildvergrößerung
Zeichnung von Wolfgang Bauer



Programm Paris
"manuskripte in paris"


2 Tage mit den "manuskripten"
Zeitschrift für Literatur aus Graz, Autriche
1. und 2. Juni 2006
Théâtre du Rond-Point - Salle Roland Topor
2bis, avenue Franklin D. Roosevelt - 75008 Paris

Donnerstag, 1. Juni

17h

Begrüssung durch Heinz Schwarzinger/Henri Christophe
Heimo Steps: Hanns Koren und die « manuskripte »
Vorstellung der Autoren durch Heinz Schwarzinger/Henri Christophe
Kurzer Vortrag. Runder Tisch mit den Autoren Günter Eichberger, Gert Jonke, Gabriel Loidolt, Stefan Schmitzer, Martin G.Wanko


20h30 - 22h

Lesungen. Texte von

Barbara Frischmuth
Klaus Hoffer
Gert Jonke
Alfred Kolleritsch
Klaus Hoffer
Franz Weinzettl

Special Guest :
Gabriel Loidolt


Freitag, 2. Juni

17h - 19h

Lesungen. Texte von

Olga Flor
Sonja Harter
Johannes Schrettle
Gerhild Steinbuch
Andrea Stift
Stefan Schmitzer

19h

„Wer nicht für mich ist, ist gegen mich - 20 Jahre Forum Stadtpark" - „Qui n'est pas pour moi, est contre moi - 20 ans Forum Stadtpark"
Dokumentation ORF - Radio-Télévision Autrichienne - 1980
Ingrid Melzer-Traversa
Vidéocollage von Günter Eichberger

20h - 22h

Szenische Lesungen aus Stücken von

Wolfgang Bauer
Elfriede Jelinek
Gert Jonke
Margit Kreidl
Kathrin Röggla
Gerhild Steinbuch

Schauspieler

Catherine Creux
Jean-Luc Debattice
Catherine Dewitt
Laurence Février
Magda Kropiunig
Micha Lescot
Bernard Lotti


Übersetzung

Bernard Banoun
Henri Christophe
Valérie de Daran
Denis Denjean
François Mathieu
Uta Müller
Laurent Rossignol
Emanuelle Séjourné


Projektleiter: Heimo Steps - mit Johannes Koren, ältestem Sohn von Hanns Koren, Koordinator von „auszeit - temps mort - année commémorative Hanns Koren 2006 »
Realisierung: Heinz Schwarzinger - Interscènes

Ein Projekt von « auszeit - Hanns Koren Bedenkjahr 2006 » - „temps mort - Année Commémorative
Hanns Koren 2006" in Kooperation mit Interscènes und dem Théâtre du Rond Point des Champs Elysées.

Das Projekt wurde ermöglicht durch
Land Steiermark, Forum Culturel Autrichien, Ministère des Affaires étrangères de la République Autrichienne, Chancellerie / Section de l'art de la République Autrichienne, Conseil Général de la Vienne, „Die Steiermärkische"




Programm Paris
Bildvergrößerung
Programm Paris




Präsentation der Manuskripte Sondernummer in Paris




Bildvergrößerung



Bildvergrößerung



Bildvergrößerung



Bildvergrößerung



Bildvergrößerung



Bildvergrößerung


Französische Ausgabe der "manuskripte" präsentiert

Externe Verknüpfung Audiodatei anhören
Länge: 4:30 min
Kulturjournal  (2.Juni 2006) - Eva Twaroch

In Paris wird derzeit eine französische Ausgabe der Grazer Literaturzeitschrift "manuskripte" präsentiert - nicht ganz reibungslos, da sich Herausgeber Alfred Kolleritsch im Vorfeld mit einem der beiden Programmverantwortlichen, Heimo Steps, überworfen und dadurch eine Reihe von Autoren von der Fahrt nach Paris abgehalten hat. Dennoch sind die französischen Manuskripte knapp vor Pfingsten im Pariser Theatre du Rond-Point präsentiert worden.



1Le Monde vom 18.Mai 2006
Pierre Assouline


Rendez-vous autrichien au Rond-Point

Avis aux amateurs : il ne sera pas indispensable d'être autrichien, ni même de passer pour un excellent germaniste, pour se précipiter les 1 et 2 juin au Théâtre du Rond-Point à Paris à l'invitation de Manuskripte. La revue littéraire de Graz y organise deux journées et soirées (entrée libre) de conversations, lectures, projections, tables rondes, projections, lectures scéniques, conférences, dédicaces, débats sous la houlette de Heimo Steps, du ministère de la Culture du Land de Styrie et sous le titre de auszeit (temps mort). De nombreux écrivains (Gert Jonke), traducteurs (Henri Christophe), poètes (Alfred Kolleritsch), dramaturges (Olga Flor) autrichiens seront présents pour y évoquer notamment l'oeuvre de Wolfgang Bauer. On verra combien de temps ils tiendront avant que ne soient cités également les noms des créateurs autrichiens les plus commentés ces derniers mois en France, Peter Handke, Elfriede Jelinek, Thomas Bernhard. Incidemment, on saura de quels fantasmes se nourrit un certain inconscient collectif français dès qu'il est question de l'Autriche. On découvrira peut-être pourquoi, lors de la polémique sur Le cauchemar de Darwin, les détracteurs d'Hubert Sauper insistèrent lourdement et suspicieusement sur ses origines, comme si elles le prédiposaient à être naturellement un cousin d'Hitler...



Österreichisches Rendez-vous am Rond Point

Tipp für die Amateure: es wird nicht unerlässlich sein, Österreicher zu sein, schon gar nicht für einen hervorragenden Germanisten gehalten zu werden, um am 1. und 2. Juni das Théâter du Rond Point à Paris zu stürmen, der Einladung der „manuskripte" folgend. Die Grazer Literaturzeitschrift organisiert da zwei Tage und Abende (freier Eintritt) mit Gesprächen, Lesungen, Filmproduktionen, runden Tischen, szenischen Lesungen, Vorträgen, Widmungen und Diskussionen unter dem Hirtenstab von Heimo Steps vom Kulturreferat des Landes Steiermark und unter dem Titel „auszeit" (temps mort).

Zahlreiche österreichische Schriftsteller (Gert Jonke), Übersetzer (Henri Christophe/Heinz Schwarzinger), Poeten (Alfred Kolleritsch), Erzähler (Olga Flor) werden da sein, um insbesondere auf das Werk Wolfgang Bauers aufmerksam zu machen. Man wird sehen, wie lange sie standhalten, bevor die Namen der in den letzten Monaten in Frankreich meistbesprochenen österreichischen Künstler Peter Handke, Elfriede Jelinek und Thomas Bernhard zitiert werden. Nebenbei wird man erfahren, aus welchen Hirngespinsten sich ein gewisses kollektives französisches Unterbewusstsein nährt, sobald von Österreich die Rede ist. Man wird vielleicht draufkommen, warum im Zuge der Polemik über „Darwins Nightmare" die Verleumder Hubert Saupers so schwerfällig und so voller Argwohn auf seiner Herkunft beharrten, so als ob sie ihn dazu veranlagt gesehen hätten, natürlich ein Cousin Hitlers zu sein.....

Die e-Mail-Kommentare füllten vom Erscheinungstag Donnerstag bis Montag bereits 18 Seiten.




Motivation und Rückblick

Ich war im Herbst 2005 in Paris, um mit Heinz Schwarzinger, Bernard Banoun und mit dem österreichischen Kulturforum die Entwicklung des Projktes zu besprechen. Heinz Schwarzinger, ein gebürtiger Kärntner, der in Graz aufwuchs und hier und dann in Wien studierte, lebt seit vielen Jahren in Paris und arbeitet als Übersetzer (das gesamte dramatische Werk von Arthur Schnitzler und Ödon von Horvath, aber auch die jeweils aktuelle österreichische Literatur wie Wolfgang Bauer, Peter Turrini oder Wener Schwab) und als Promotor neuer österreichischer Literatur in Frankreich. Heinz Schwarzinger übernahm auch die Organisation und die Koordiantion mit dem Théâtre du Rond Point des Champs Elysées, dem Theater für zeitgenössische Dramatik und Literatur in Paris. Bernard Banoun, an der Universität Tours lehrend und ebenfalls Übersetzer deutschsprachiger Literatur, nahm sich vor, weitere professionelle literarische Übersetzer in das Projekt einzubinden.

In Graz sprach ich mit Alfred Kolleritsch über in Frage kommende Autoren, wobei wir übereinkamen, sowohl arrivierte Autoren als auch junge Autoren einzuladen.

Im heurigen Jänner wurde in Graz mit Heinz Schwarzinger vereinbart, dass die Texte der „manuskripte"-Autoren von Clementine Neuray im „manuskripte"-Büro gesammelt und von dort direkt nach Paris gemailt werden. Als Deadline für die Fertigstellung der französischen Übersetzungen wurde der 31.März festgelegt, weil die Sonderausgabe in der Grazer Druckerei Khil gedruckt werden sollte und auch wurde. Die Deadline - ein bemerkenswerter Begriff in der Tat - wurde von den Übersetzern präzise eingehalten.

Für die Gestaltung des Titelbildes fragte ich mit dem Einverständnis von Alfred Kolleritsch Günter Brus, der tatsächlich eines zeichnete, es dann aber zurückzog. So fragte ich Heidi Bauer, ob ich aus den Zeichnungen Wolfgang Bauers ein Bild dafür aussuchen könne. Ich durfte 3 Zeichnungen mitnehmen, die alle in der vorliegenden französischen Ausgabe zu sehen sind, das Titelbild „Seele der Kugel" - „Âme de la Sphère" schien mir nicht nur das Schönste, sondern im Hinblick auf die Fussball-WM sehr geeignet zu sein, und es hat dann auch in Frankreich sehr gefallen.

Da die übermittelten französischen Übersetzungen Fließtexte waren, also nicht formatiert, mussten sie für den Druck so korrigiert werden, dass etwa die Wort-abteilungen richtig gesetzt wurden. Dieses Korrekturlesen führte Tatiana Petrova mit grosser Präzision und Geschwindigkeit durch, sodass die Ausgabe auch mit Hilfe von Katja Ratschiller als Layouterin und dank der präzisen Arbeit in der Druckerei Khil in dieser schönen Form zeitgerecht vorlag.

Die Veranstaltung am 1. und 2.Juni rückte unerbittlich näher, und so versuchte ich von meiner Poetenklause in der Mansarde des Joanneums per e-mail nicht nur auf Angriffe und Absagen zu reagieren, sondern auch bei den französischen Medien einen guten Wind für die „manuskripte in Paris" zu machen, was überraschenderweise Früchte trug. So erschien am Tag nach meiner gemailten Einladung an „Le Monde" folgender Artikel von Pierre Assouline in seiner Rubrik „La République des Livres":................

Und das grösste Kulturportal in Frankreich, „L'EVèné", kündigte die Veranstaltung sogar mit dem Titel „Temps Mort - Année commémorative Hanns Koren" „Auszeit - Hanns Koren Bedenkjahr 2006" an.

Ebenfalls zu organisieren waren die Flüge und Umbuchungen sowie die Hotelreservierungen und -umreservierungen.

Über die geradezu tumultuösen internen Grazer Konflikte wurde ja hinlänglich meistens einseitig, und das nicht nur was die Grösse der Artikel betraf, berichtet. Aber Paris hat stattgefunden, und zwar mit den Lesungen und szenischen Lesungen der Texte aller Autoren, die in den französischen „manuskripten" vertreten sind.

Und im Sinne des Steuerzahlers durfte ich die gebuchten Flüge nicht verfallen lassen, sondern lud Autoren, Künstler und Leute ein, die für das Gesamtprojekt „auszeit - Hanns Koren Bedenkjahr 2006" viel tun.

Heimo Steps



CanalCast.com
canalcast.com
canalcast.com



evene.fr
evene.fr
evene.fr



Theatre du Rond-Point





Kultur Steiermark