Hans Koren Gedenkjahr 2006


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Peter Gerwin Hoffmann
Personale steirischer herbst 06

Peter Gerwin Hoffmann gehört zusammen mit Richard Kriesche und Karl Neubacher zur ersten Generation von Medienkünstlern in den 1970er Jahren. Sie begannen in den Medien Fotografie, Film und Video – in Hoffmanns Fall auch in der Malerei – künstlerische Projekte zu realisieren und schufen so die Grundlagen für die weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannte Grazer Medienszene. Einerseits die konzeptuelle Verwendung der Medien und andererseits das soziale Engagement können als die beiden Hauptkomponenten dieser Szene festgemacht werden. Kunst wurde ein Instrument zur kritischen Untersuchung der Schwachstellen und Problemzonen der Gesellschaft. Zusätzlich zur Befragung der Realität erfolgte aber auch die Befragung des Mediums, das letztlich über die Realität verfügt und somit in der Folge auch über wesentliche Teile unseres Bewusstseins.






Grundsätzlich ist Peter Gerwin Hoffmanns Kunst im Zusammenhang mit der Malerei zu rezipieren. Seine künstlerischen Anfänge in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre liegen in diesem Medium. Der konzeptueller Zugang zur Malerei ließ ihn schon sehr früh eine medienreflexive Malerei betreiben. Aus diesem Bezug zur Realität – zur Medienrealität – ergab sich in den 1970er Jahren der direkte Eingriff in die Realität in Form eines gesellschaftskritischen Anspruches. In seinen jüngsten Überlegungen kehrt er zur Malerei zurück. Allerdings zu einer Malerei mit elektronischen Mitteln. Die vom Computer kreierten Farben, möchte er als solche in ihrer spezifischen Qualität eingesetzt wissen. Dem Computer soz. seine Einzigartigkeit lassen und ihn nicht als Simulationsmittel für andere Medien anwenden, wie es gegenwärtig mehr und mehr geschieht, ist sein Ziel. Es werden so Projektionsräume entstehen, die über die traditionelle Malerei hinaus reichen und durch neue Technologien eine Weiterentwicklung der Mediums Malerei bedeuten.

Die Ausstellung, die dem Werk Hoffmanns von seinen Anfängen bis heute gewidmet ist, ist die erste umfassende Präsentation dieses so wichtigen künstlerischen Schaffens. Hoffmann war zwar in Ausstellungen der Neuen Galerie vertreten (wie z. Bsp. in Styrian Window 1994 oder in M_ARS – Kunst und Krieg 2003), eine Einzelpräsentation, die eine Positionierung seines Werkes im überregionalen Zusammenhang vornimmt, steht bis heute aus. Auf vielfache Art ist Hoffmann seit den frühen 1970er Jahren, sowohl auf seine als auch auf die nachfolgende Generation, einflussgebend gewesen. Er war auch institutionell tätig bspw. von 1979 bis 1981 als Referent für bildende Kunst im Forum Stadtpark. Abgesehen von der Grundsätzlichen Beziehung zur Malerei ist Hoffmanns künstlerisches Bemühen den performativen, konzeptuellen Ansätzen in der Kunst verpflichtet, die er mitformuliert hat. Soziale und ökonomische Prozesse, sowie damit einhergehend die Auflösung des realen Raumes im institutionellen Kunstbetrieb, sind für seine Arbeit seit den frühen 1970er Jahren zentrales Anliegen. Mit dieser Schau wird die Neue Galerie einen umfassenden Einblick in ein Werk geben, das gerade heute, in Zeiten des Wiederaufgreifens eines gesellschaftskritischen Engagements innerhalb der bildenden Kunst, höchste Aktualität hat. Auch wenn man das heute existierende Interesse an der Malerei in Betracht zieht, so wird Hoffmanns intensive Medienreflexion, die er in seiner Malerei sehr früh praktiziert hat, zu einem wesentlichen Faktor, der dieses Werk so aktuell macht.

Die Ausstellung ist auch ein Beitrag der neuen Galerie zum „Koren-Jahr 2006“. Peter Gerwin Hoffmann hat den Kulturpolitiker in seiner Arbeit „16 Reflexionen von einem Bild, das für Landesrat Koren wirbt“ 1973, dargestellt. Außerdem fällt ein wesentlicher Teil der künstlerischen Karriere Hoffmanns in die Zeit in der Koren amtierte. Beide stehen für eine große Zeit des Aufbruches in Graz in der ein sehr offenes und dem Experiment gegenüber tolerantes Klima hier herrschte.

Termin Ausstellungseröffnung




Logo Neue Galerie
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Von der Malerei zur Medienkunst

Peter Gerwin Hoffmann

Noch in Styrian Window, dem inzwischen zehn Jahre alten Standardwerk zur steirischen Gegenwartskunst, ordnete Peter Weibel den 1945 in Gröbming geborenen Peter Gerwin Hoffmann einer ersten Generation von Medienkünstlern in den 1970er Jahren zu. Wenngleich seine Arbeiten seit den 1960er Jahren stark von der Malerei geprägt sind und auf den ersten Blick oft an serielle Malerei der Pop Art erinnern mögen, war die sie für Hoffmann doch in erster Linie Mittel zur kritischen Untersuchung von Wahrnehmungs- und Rezeptionsverhalten gegenüber öffentlichen Bildern respektive Mittel, das Vermögen des Genres selbst auszuloten und unter konzeptuellen Bedingungen weiter zu führen.

Die Malerei Peter Gerwin Hoffmanns war und ist in diesem Sinn niemals als Endprodukt eines künstlerischen Prozesses zu verstehen, vielmehr liefert das methodische Vorgehen Zustandsansichten persönlicher Entwicklung im Umfeld politisch-gesellschaftlicher Tendenzen und Interpretationshaltungen. Konsequent verfolgte er seine Untersuchungen, wie Wirklichkeiten abzubilden oder neu zu konstruieren seien, im Bereich Fotografie, Film und Video, aber auch durch gesellschaftliche und politische Intervention.

Die Neue Galerie Graz bringt nun mit einer von Günther Holler-Schuster kuratierten Personale die erste umfassende Präsentation des gesamten Werkes malerischer und grafischer Arbeiten, konzeptueller Objekte und Installationen, Video und dokumentarischem Material seit den 1960er Jahren bis hin zu neuesten Arbeiten, die etwa in einer auf spezieller Software basierten Raum-Projektion und -Installation wiederum auf malerische Verfahren rekurriert: Rauschen (2006) projiziert Lebensmenschen, Zeichen, Gesichtszeichen und Farbspektren aus dem biografischen Kontext des Künstlers in variabler Geschwindigkeit in den Raum, vergleichbar dem eigentlich informationsfreien Weißen Rauschen. Dem gegenüber steht ein malerisches Arbeits- und Erkenntnisprinzip mit Beispielen aus den Jahren 1973 und 1974. Unter dem Werktitel Bild nach einem Bild untersuchte Hoffmann abstrahierende Prozesse einerseits in der Übersetzung und Weiterführung des Motivs - Medienbilder von Hanns Koren, Richard Nixon oder Bruno Kreisky -, andererseits die persönliche Wahrnehmung und Erinnerung des Motivs und des jeweils in einer Reihe danach entstandenen Bildes.

Was ist die Kunst oder wofür steht sie, wenn sie von öffentlichen Institutionen gerade nicht ausgestellt wird? Eine Fotoserie mit dem Titel Kunstalltag (2006) zeigt das Bilddepot der Neuen Galerie, darin die in Schutzfolien aufbewahrten Objekte – der zeitlich überwiegende Normalzustand bei Kunstobjekten. Was ist Bildträger und was Bildinhalt, ist der ironische Ansatz einer Reihe von Ansichtspostkarten, die wiederum Briefmarken mit Bildmotiven transportieren – oder in Wirklichkeit umgekehrt? Etliche Objekte der Ausstellung sind in einem Übergangsbereich zwischen Kunstwerk, Aktion und Dokumentation anzusiedeln.

Die Ausstellung Malerei – Bild – Handlung zum Werk Peter Gerwin Hoffmanns ist auch Beitrag der neuen Galerie zum Hanns Koren Bedenkjahr 2006. Peter Gerwin Hoffmann hat den Kulturpolitiker in seiner Arbeit 16 Reflexionen von einem Bild, das für Landesrat Koren wirbt (1973) dargestellt. Ein wesentlicher Teil der künstlerischen Karriere Hoffmanns entwickelte sich während dessen Amtszeit und beide stehen für eine große Zeit des Aufbruches in Graz, in der ein sehr offenes, gegenüber dem Experiment in Kunst und Wissenschaft zunehmend positiv gesinntes Klima seinen Ausgang nahm.


Malerei – Bild – Handlung
in der Neuen Galerie Graz, Sackstraße 16, ist bis zum 19. November zu sehen. Gleichzeitig zeigt auch Graz Kunst der Werkstadt Graz Arbeiten von Peter Gerwin Hoffmann. Weitere Informationen unter www.neuegalerie.at

 

Wenzel Mraček





Kreisky, 1972 (Privatbesitz, Foto: Nicolas Lackner / Landesmuseum Joanneum)
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Kreisky, 1972 (Privatbesitz, Foto: Nicolas Lackner / Landesmuseum Joanneum)


Peter Gerwin Hoffmann
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Peter Gerwin Hoffmann


Peter Gerwin Hoffmann in der Installation Rauschen, 2006
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Peter Gerwin Hoffmann in der Installation Rauschen, 2006


Drei Läuferinnen, 1971, (Foto: Nicolas Lackner / Landesmuseum Joanneum)
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Drei Läuferinnen, 1971, (Foto: Nicolas Lackner / Landesmuseum Joanneum)


Nahost Studie in expressiver Manier, 1968 (Privatbesitz, Foto: Nicolas Lackner / Landesmuseum Joanneum)
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Nahost Studie in expressiver Manier, 1968 (Privatbesitz, Foto: Nicolas Lackner / Landesmuseum Joanneum)




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